Auszug aus: Das Gesetz des Werkzeugs

Fast immer wenn er einschlafen wollte, lullte er sich mit einer Phantasie ein, die er niemandem verraten durfte. Er stellte sich vor, er sei Hitler, der im Bett lag und so lange schlief, wie er wollte. Seine Leibdiener stand vor der Tür und immer wenn morgens nach ihm verlangt wurde, trat der Leibdiener nahe an den Bittsteller (alle waren Bittsteller) heran und flüsterte: Der Führer schläft! Diese Aussage war mächtiger und wirksamer als jedes Gesetz. Der Schlaf des Führers war heilig, unabänderlich. Ob Armeen eingekesselt wurden, ob der Feind an den Stränden der Normandie landete, ob ein wankender Verbündeter Rat und Aufmunterung suchte – immer war der Schlaf des Führers wichtiger. Es war nicht die Person Hitlers, die ihn faszinierte, es war schlichtweg die Position, die er verkörperte. Unantastbarer Schlaf. Das warme Bett des Tyrannen. Wieso, dachte er sich oft in seinen letzten Einschlafgedanken, war Hitler nicht einfach im Bett geblieben? Woher diese Energie? Wieso sich nicht einfach von der Welt verabschieden und unter der Decke bleiben und sagen: Keitel soll sich heute um die Ostfront kümmern, ich schlaf mich aus! Ehrgeiz war wahrscheinlich der Grund. Immer waren es die Falschen, die ausschliefen und die Falschen, die rastlos aus dem Bett stiegen. Immer setzten sich die Fleißigen durch. Die Faulen blieben unter sich, saßen herum, gründeten keine Religion, keine Unternehmen, erbauten keine Städte. Sie standen ab und zu auf um eine Frau zu schwängern, zu Pissen oder um einen Liter Milch zu kaufen. Es half nichts, es waren die Fleißigen, die Bomben bauten und es waren die Faulen, auf die Bomben fielen: Bumbumbum.

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