Das Sinnfrageninterview

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Um 9 abends im Waschsalon

Es gibt so viele Fragen, die noch nicht gestellt wurden, man muss einfach nur drauf kommen. Behilflich ist uns dabei der Sinnfragenkombinator.

Eine zufällige Frage, sinnig oder unsinnig. Ein Gesprächspartner. Und fertig ist das Impro-Interview. Diesmal mit Peter B.

Die heutige

Sinnfrage lautet:

Ist ein Leben nach dem Tod spießig?

 

B: Spießig?

Ja, spießig.

Das kann man doch eigentlich nicht wissen. Ob das spießig ist, das Leben nach dem Tod.

Es ist im Grunde eine Frage der Vorstellung, oder?

Achso, Sie meinen, dass die Religionen, die vom Leben nach dem Tod träumen  spießig sind.

Nicht zwingend.

Naja, irgendwie doch zwingend. Wenn Sie an die etablierten Religionen denken, die monotheistischen zumindest, die sind irgendwie ja doch spießig. Da wird den Gläubigen ja nicht erzählt, dass im Paradies Anarchie herrscht und jeder mit jedem vögelt.

Wobei beim Islam ja immer dieses Bild der 50 Jungfrauen kolportiert wird, die dem Märtyrer zu Diensten sein werden.

Ja, und dieses Bild ist ja ein zutiefst spießiges Bild. Es ist ja nicht so, dass der Spießer ein Asket ist, der ist in seinen Träumen ja kein solcher Spießer, dass er denkt: Hoffentlich werden im Paradies jeden Mittwoch die Mülltonen geleert! Der wünscht sich ja, dass er wenigstens im Leben nach dem Tod die Sau rauslassen darf, wenn er es schon im Leben vor dem Tod nicht durfte.

Dann sind also die, die sich ein ganz unbürgerliches Leben nach dem Tod wünschen die eigentlichen Spießer.

Wenn man es ganz streng zu Ende denkt, ja. Andererseits kann man ja auch nicht erwarten, dass die, die zu Lebzeiten völlig unspießig und nonkonform waren, dass die sich ein kleinbürgerliches Leben nach dem Tod herbeisehnen, das wäre ja noch absurder.

Aber mal abgesehen von den Wünschen, wenn es denn ein Leben nach dem Tod gibt, wer weiß denn, ob es nicht wirklich spießig sein wird.

Das kann man nicht ausschließen klar, das hatten wir ja am Anfang schon, aber Ihre Frage führt eigentlich zu der Frage nach dem Wesen Gottes. Denn wenn es Gott gibt, und ein Leben nach dem Tod, dann gelten da natürlich die Regeln, die Gott vorgibt, das kann natürlich spießig sein, aber die Vorstellung, dass es in diesem Leben nach dem Tod so profan zugeht, dass man das mit dem Wort „spießig“ beschreiben könnte, diese Vorstellung ist ja eigentlich schon so irrsinnig, das könnte ja aus einem Film von Bunuel sein.

Auch keine schlechte Vorstellung.

Ja, dass es also ewig heißen wird: Iss deinen Teller leer, pass auf, was die Nachbarn über dich denken, zieh dich ordentlich an. Da wünscht man sich ja fast, dass nach dem Tod alles aus ist.

Fast.

Ja, fast, weil am Ende denkt man sich dann vielleicht doch: Lieber ein spießiges Leben als gar kein Leben. Irgendwie kann man vielleicht doch rebellieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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