Liebesschwüre auf dem Herrenklo

 

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Liebesschwüre sind was Schönes. Man flüstert sie in ein geliebtes Ohr, man schreit sie am Bahnhof dem wegfahrenden Zug hinterher, manchmal sprüht man sie an eine Hauswand, manchmal lallt man sie auch nach dem zehnten Bier. Na gut, manchmal sind sie auch nicht schön. Manchmal sind sie verzweifelt, oder wegen des unvermeidlichen Pathos etwas peinlich und vielleicht sind sie sogar aus philosophischer Sicht ein Widerspruch in sich, weil man Liebe schlecht schwören kann, aber was soll’s.

Die überwältigende Mehrheit aller Liebesschwüre hat allerdings eine Sache gemeinsam: Der/die Schwörende geht davon aus, dass die/der Angeschwörte den Schwur irgendwie mitbekommt. Denn nur ein vernommener Schwur ist ein sinnvoller Schwur. Daraus ergibt sich die Frage, was der Schwur auf dem Foto unten für eine Geschichte hat. Denn jenes „Steffi ich liebe Dich“ wurde an die orangefarbene Wand der Herrentoilette in der Stadtbücherei geschrieben.

Wie soll Steffi also von der Liebe des unbekannten Schreibers erfahren? Dazu bieten sich mehrere mögliche Antworten an.

Schüchtern und dumm: Der Schreiber war so schüchtern, dass er sich nur auf einem sehr stillen und sicheren Ort traute, jener Steffi die Liebe zu schwören, auch wenn sie das aller Wahrscheinlichkeit ein Leben lang nicht lesen wird. Und sich womöglich einem anderen, mutigeren oder auch klügeren Mann hingibt und zahlreiche Kinder mit ihm haben wird, während die Schrift im Klo längst verblasst ist.

Schüchtern und klug: Steffi ist Putzfrau in der Stadtbücherei und der Schreiber vielleicht ein scheuer, aber schlauer Bücherliebhaber, der Steffi zwar nicht wagt anzusprechen, aber, ihre Tätigkeit studierend, weiß, dass sie jeden Tag das Klo putzt. Wenn sie sich also gerade über die Kloschüssel beugt und für Sauberkeit sorgt, sieht sie just die frohe Liebesbotschaft und freut sich sehr über die Worte des Unbekannten. Bleibt, wie bei allen Liebesschwüren, die Frage, wie die/der Verehrte darauf reagieren soll.

Schwul: Steffi ist gar keine Frau. Steffi ist vielleicht Stefan und der/die/das Verliebte hat sein Sprüchlein am richtigen stillen Ort angebracht. Ohne schwulenfeindlich zu sein, sei die These gewagt, dass ein Mann, der Steffi genannt wird, möglicherweise auf Männer steht und der Schreiber natürlich auch.

Verzweifelt: Steffi hat den Schreiber verlassen, er flüchtete sich weinend auf die Toilette und weil niemand seine Verzweiflung hört, kritzelt er seine Liebesbotschaft an Steffi an die nächstbeste Wand.

Glücklich: Steffi liebt den Schreiber, er hat es gerade erfahren. Er musste daraufhin dringend aufs Klo, ist total euphorisch, und weil niemand seine Euphorie hört, kritzelt er seine Liebesbotschaft an Steffi an die nächstbeste Wand.

In diesem Sinne: Viel Glück, Unbekannter + Steffi.

 

 

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Das gebildete Deutschland schafft sich nicht ab. Es schottet sich ab.

In der WELT beklagt Reinhard Mohr, dass sich die gebildeten Schichten Deutschlands abschaffen. Als Beleg dafür nennt er

Neuköln, wo 40% der Schüler keinen Bildungsabschluss haben. Dass dieser Berliner Stadtteil nicht repräsentativ für Deutschland steht, ist klar, aber man kann ihn immer wieder als Menetekel anführen. Die Wahrheit  sieht anders aus. Das gebildete Deutschland schafft sich nicht ab. Es schottet sich ab. Die gebildete Elite schickt ihre Kinder auf andere Schulen als die Arbeitslosen in Neuköln und die ihre Kinder werden in den besten Unis studieren und, wie ihre Eltern auch, zur Elite gehören. Verdummen wird eher die Masse und das zunehmende Heer von mangelquailifizierten Menschen, für die es in einer technisierten Arbeitswelt immer weniger passabel bezahlte Arbeitsplätze gibt. Dieses Heer von Proletariern ist aber nicht die Bevölkerungsgruppe um die sich Mohr sorgt. Was er ausspricht, ist in Wahrheit die larmoyante Sorge des Bildunsgbürgers, der zum einen beklagt, dass immer weniger Menschen Goethe zitieren können und zugleich die ökonomischen Zwänge der Volksverblödungsfabriken ala RTL und BILD rechtfertigt. 

Zauberwürfel im Bus

 

Spannend. Gerade einen Jugendlichen im Bus beobachtet,der einen dieser Zauberwürfel in 3 Minuten geschafft hat und dabei mit einem fremden Mädchen flirtete und von einem betrunkenen Bayer ständig zum Bier eingeladen wurde

 

Ich la-de dich auf ein Bier ein, Du bisd a Mathegenie, des find i guad!

 

Mit so was sollten die Stadtwerke werben. Alltagspoesie im Bus. 

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